Der Fettnäpfchentreter

Von Zeit zu Unzeit -
o Freunde, lasset uns beten ! -
muß ich, ob ich nun will oder nicht,
in irgendein Fettnäpfchen treten.

Ha, wie das spritzt !
Und wie das sitzt.
Der gnädige Herr sind pikiert,
und die gnädige Frau sind betreten.
Sogar Leonhard, mein zweitbester Freund,
schwitzt.

Eben noch
luden sie dich ein
in ihre Villa bei Mailand,
begossen dich mit Weihwasser,
Komplimenten und Sekt,
reichten dich herum
wie ein erlesenes Konfekt...

Nun aber
hockst du allein
auf deinem festgefrorenen Eiland.
Wie ein von der Pest befallener
Robinson,
mit nichts bekleidet als einem erbärmlichen
Dashastdunundavon !

Ein Schädling, ein Ketzer, ein Soundso
im Tempel  des heiligen
Status Quo.

So ist das nun malin den besseren Kreisen
dieser nicht sonderlichen besseren Welt.
Da sind überall, daheim und auf Reisen,
Fettnäpfchen unsichtbar aufgestellt.
Das eine heißt: Davonsprichtmannicht
und das andere: Achtung, Tabu !
Und der ganze Verein kennt die
Stillschweigepflicht.
Bloß du, du gehörst nicht dazu.

Und preist man die Kleider des Kaisers
voll Takt,
trittst du in Näpfchen:
"Der Kaiser ist nackt !"

Du Schädling, du Ketzer, du Soundso
im Tempel des heiligen
Status Quo.

Von Zeit zu Unzeit -
o Freunde, lasset uns loben !-
muß ich, ob ich nun will oder nicht
(Fortsetzung:-wird verschoben).

(Mascha Kaléko)


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