Mascha Kaleko - Gedichte u.a.
 

Nacht ohne Schlaf

Ich weiß, daß du jetzt wachst in deiner Nacht,
so wie ich schlaflos wache in der meinen.
Der gleiche Mond,der mich so kühl verlacht,
wird wohl auch jetzt dir Ruhelosem scheinen.

Ich weiß, das Leid, das ich dir nicht geklagt,
wird mir im stillen Vers zur Ruhe gehen.
So mag dein Weh, das du mir nicht gesagt,
dich tröstend wie ein Morgenwind umwehen.

Das Dritte

Drei Dinge sind's, sprach der Poet,
aus denen die Musik besteht:
Die Melodie, der Rhythmus und
das Schweigen auf dem Erdenrund.

Was man so braucht...

Man braucht nur eine Insel, allein im weiten Meer;
man braucht nur einen Menschen - den aber braucht man sehr !

Das geringere Übel

An wahren Freunden oft gebricht's.
Drum sagt man: Besser dies als nichts.
Doch ich werd lieber schirmlod naß
und sage: Besser nichts als das.

(Mascha Kaléko  (1907 -75) ist eine meiner Lieblingsdichterinnen;
als Lesetip empfehle ich "In meinen Träumen läutet es Sturm" vom dtv-Verlag)


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